16.06.2008 / KMD unterstützte die diesjährigen Architekturgespräche in Luzern, die vom 29.-31. Mai 2008 stattfanden. Die Besichtigung einer Auswahl der schönsten Luzerner Hotels rundete das Event ab.
Luzern (6.6.2008).
Das zur Victoria-Jungfrau gehörenden Hotel Palace, ein ehrwürdiges Grand Hotel direkt am See, nutzt zeitgenössisches Design als Ausdruck seiner neuen Frische. Zum Beispiel im mediterranen Restaurant "Jasper", gestaltet von der Züricher Architektin Iria Degen. Sie übersetzt das Mittelmeerthema u.a. durch "artischocken-ähnliche Lampen" und "fischernetz-artige" Vorhänge - da muss der Betrachter schon viel Phantasie haben, um solche Assoziationen zu erkennen. Die muschelförmigen Serviettenringe und der grünliche Jaspis-Stein, feinkörnig verwirkt in den Tellern, bedürfen einer Lupen-Betrachtung. Dieses Restaurant-Design ist viel zu zurückhaltend - und es könnte auch mitten in Paris oder Berlin stehen. Da sind sich die Architekturprofis einig.
Was hier zu minimalistisch scheint, präsentiert sich im Hotel gegenüber viel zu überladen. Die kritischen Besucher monieren am Art Deco Hotel Montana, gestaltet von Pia Schmid aus Zürich, den üppigen Umgang mit kräftiger Farbe und den überzogenen Einsatz von Jugendstil-Elementen: Wer noch original Art Deco-Fenster hat, sollte sie betonen, und ihrer Form nicht die Wirkung nehmen durch künstliche kreierte Teppiche mit zusätzlichen Art Deco-Figuren. Esche, gebeizte Kirsche und Linoleum ergeben als Fussboden witzige, aber gewagte und erneut extrem farbige Kombinationen. Art Deco erstickt sich selbst. So viel aufgesetzte künstliche Deko kann Räume eng machen. Da hilft in diesem hoch in den Hang gesetzten Hotel nur eines: Die Fenster weit öffnen und beim traumhaften Blick über Luzern und den See hinaus tief ausatmen. Ein Immobilienentwickler meinte da nur noch: "Bei diesem Blick ist es egal, wie das Design innen aussieht." Nur wenn Design ins konsequente Extrem verkehrt wird, findet es offenbar mehr Gnade vor den Augen anderer Architekten und Designer. Das jedenfalls vermittelten die Diskussionen rund um Urs Karlis Hotelikonen The Hotel, gestaltet von Jean Nouvel, und um das Astoria, gestaltet von Jacques Herzog und Pierre de Meuron (siehe dazu auch frühere Berichte in hospitalityInside.com/Link). Schwarze Wände, grossflächige Erotik-Fototapeten an den Decken, Schränke aus Stahl und Bäder aus Glas - solche Kombinationen faszinieren, weil sie im ersten Augenblick schocken. Sie brechen aus aus Gewohntem. Genau so wie die komplett in Weiss gehaltenen Zimmer im Astoria, in denen der Kofferbock grösser ist als der Schreibtisch und die Minibar als Mobilschränkchen im Badezimmer steht. Das sind Design-Tempel, in die Gäste wallfahrten. Wer hier wohnen und arbeiten will, hat Angst, mit seinen profanen Utensilien die Optik zu zerstören…
Wie findet man den Mut zu Design-Extremen, wie viel Erfolg verspricht das Engagement von Star-Architekten? Frank Joss, der Künstler-Typ, fragte Urs Karli, den konservativ anmutenden Hotelier. "Wenn man ein Hotel baut, muss man eine klare Sprache sprechen," sagte dieser. "Dafür wird man geliebt oder gehasst." Die puristisch-weisse Lobby im Astoria ist ein Beweis dafür. Aber es gehe darum, "die Gäste glücklich zu machen und zu unterhalten!" Karli, der Querdenker und Design-Freigeist von Luzern, hatte bei beiden Konzepten - typisch Hotelier - nur eines im Sinn: Das Design-Konzept muss so phantastisch sein, dass der Gast nicht mehr bereit ist, das Hotel zu verlassen! Deshalb gibt es überall trendige Restaurants - und die inszeniert er teilweise nach drei Jahren wieder neu. "In Las Vegas bucht man heute zuerst das Restaurant und dann das Zimmer," hat er beobachtet. In Luzern ist er nicht weit davon entfernt.
Jede Woche wälzt er 20 kg Fachliteratur, besucht bis zu zehn Messen im Jahr (allen voran die Möbelmesse in Mailand), er studiert Trends in der Mode, im Film und die "Soap Operas" dieser Welt. Die Folge: Es entstehen Ideen wie die erotischen Deckenbilder in The Hotel - aus 300 vorselektierten Filmszenen suchten Karli und Nouvel in endloser Kleinarbeit 40 Motive aus. Nur wenn Design ins konsequente Extrem verkehrt wird, findet es offenbar mehr Gnade vor den Augen anderer Architekten und Designer. Das jedenfalls vermittelten die Diskussionen rund um Urs Karlis Hotelikonen The Hotel, gestaltet von Jean Nouvel, und um das Astoria, gestaltet von Jacques Herzog und Pierre de Meuron (siehe dazu auch frühere Berichte in hospitalityInside.com/Link). Schwarze Wände, grossflächige Erotik-Fototapeten an den Decken, Schränke aus Stahl und Bäder aus Glas - solche Kombinationen faszinieren, weil sie im ersten Augenblick schocken. Sie brechen aus aus Gewohntem. Genau so wie die komplett in Weiss gehaltenen Zimmer im Astoria, in denen der Kofferbock grösser ist als der Schreibtisch und die Minibar als Mobilschränkchen im Badezimmer steht. Das sind Design-Tempel, in die Gäste wallfahrten. Wer hier wohnen und arbeiten will, hat Angst, mit seinen profanen Utensilien die Optik zu zerstören…
Wie findet man den Mut zu Design-Extremen, wie viel Erfolg verspricht das Engagement von Star-Architekten? Frank Joss, der Künstler-Typ, fragte Urs Karli, den konservativ anmutenden Hotelier. "Wenn man ein Hotel baut, muss man eine klare Sprache sprechen," sagte dieser. "Dafür wird man geliebt oder gehasst." Die puristisch-weisse Lobby im Astoria ist ein Beweis dafür. Aber es gehe darum, "die Gäste glücklich zu machen und zu unterhalten!" Karli, der Querdenker und Design-Freigeist von Luzern, hatte bei beiden Konzepten - typisch Hotelier - nur eines im Sinn: Das Design-Konzept muss so phantastisch sein, dass der Gast nicht mehr bereit ist, das Hotel zu verlassen! Deshalb gibt es überall trendige Restaurants - und die inszeniert er teilweise nach drei Jahren wieder neu. "In Las Vegas bucht man heute zuerst das Restaurant und dann das Zimmer," hat er beobachtet. In Luzern ist er nicht weit davon entfernt.
Jede Woche wälzt er 20 kg Fachliteratur, besucht bis zu zehn Messen im Jahr (allen voran die Möbelmesse in Mailand), er studiert Trends in der Mode, im Film und die "Soap Operas" dieser Welt. Die Folge: Es entstehen Ideen wie die erotischen Deckenbilder in The Hotel - aus 300 vorselektierten Filmszenen suchten Karli und Nouvel in endloser Kleinarbeit 40 Motive aus.
Ein Rundgang durch Schweizer Luxus- und Design-Hotels im Kreise von Architekten und Entwicklern besitzt einen eigenen Reiz. Das gediegene Hotel Palace, das Art Deco Hotel Montana und die Design Hotels The Hotel und Hotel Astoria öffneten sich im Vorfeld der "Architectural Talks" in Luzern dieser Berufsgruppe, die Hotels auf Materialtauglichkeit, Optik und Konsequenz hin analysiert. Gespannt lauschten alle am Schluss einem Zwiegespräch zwischen Frank Joss, dem Leiter der Architektur-Gespräche, und dem kantig-konsequenten Hotelier Urs Karli, der mit seinen hochkarätigen Design-Hotels die kleine Stadt am Vierwaldstätter See in den Focus der internationalen Architektur-Szene rückte.
Quelle: www.hospitalityinside.com
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